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Bad Homburg, 10.11.2017 11:32 Uhr

Synode Dekanat Hochtaunus

Berichte von Dekan und Präses / Synodale beschäftigen sich mit Kur-, Klinik- und Hospizseelsorge

Über eine geringe Anzahl von vakanten Pfarrstellen freute sich Dekan Michael Tönges-Braungart auf der Herbstsynode des Evangelischen Dekanats Hochtaunus in Niederlauken am vergangenen Freitag (3.11.). Lediglich in Oberursel, Rod an der Weil und in Usingen sind in der Summe zwei Stellen zu besetzen (0,5 in Oberursel, 1,0 in Rod an der Weil und 0,5 in Usingen). Nach dem Wechsel des Pfarrerehepaars Reiner und Gundula Guist von Usingen nach Friedrichsdorf und Burgholzhausen wurde die ganze Stelle in Usingen auf 0,5 reduziert. Auch in der Dekanatsverwaltung in Bad Homburg wird zukünftig ein 0,25 Stellenanteil wegfallen. Hintergrund ist auch hier, wie bei der Reduzierung der Pfarrstellen, die sinkenden Kirchenmitgliederzahl. Hatte das Dekanat Hochtaunus 2006 noch ungefähr 65.000 Mitglieder, sind es mittlerweile um die 55.000.

Außerdem stellte Tönges-Braungart den ungefähr 60 Synodalen einen Kurs für zukünftige Lektorinnen und Lektoren vor, der in Kooperation mit dem Nachbardekanat Kronberg angeboten wird. Lektoren sind Ehrenamtliche, die nach entsprechender Ausbildung beauftragt werden, mit Gemeinden Gottesdienste zu feiern, wobei sie die Predigten nicht selber verfassen und auch die Sakramente nicht verwalten dürfen. Prädikantinnen und Prädikanten dagegen verfassen ihre Predigten selber und dürfen auch taufen und das Abendmahl austeilen. Die Ausbildung erfolgt seit einiger Zeit zweistufig: Zunächst absolvieren die Interessenten die Ausbildung zum Lektor oder zur Lektorin. Wenn sie diese erfolgreich abgeschlossen haben, können sie nach einem Zulassungstag noch die Ausbildung zum Prädikanten anschließen.

Positives hatte Präses Peter Vollrath-Kühne zu berichten: Wenn eine Pfarrerin oder ein Pfarrer länger als 2 Monate erkrankt, finanziert das Dekanat der entsprechenden Kirchengemeinde zusätzliche Sekretariatsstunden, um die in den Gemeindesekretariaten dann zusätzlich anfallende Arbeit zu kompensieren. „Und auch der Beschluss den Gemeinden noch für das Haushaltsjahr 2017 zur Unterstützung ehrenamtlicher Tätigkeit insgesamt 14.000 Euro zur Verfügung zu stellen, gehört zu den angenehmen Informationen“, sagte Vollrath-Kühne. Außerdem stellte Präses Vollrath-Kühne das ergebnisoffene Projekt „Gemeindeübergreifende Trägerschaft“ vor, mit der die Kirchenvorstände der Kirchengemeinden von täglicher Verwaltungsarbeit für die gemeindeeigenen Kindertagesstätten entlastet werden sollen. „Die Entlastung von Verwaltungsroutinen bringt zudem den Vorteil für unsere Kirchengemeinden, sich mehr auf die religionspädagogische Arbeit konzentrieren zu können“, so Vollrath-Kühne weiter. Letzte Woche habe eine Steuerungsgruppe mit der Entwicklung eines Konzepts die Arbeit aufgenommen. In dieses Konzept sollen die Resultate von Gesprächen und Infoveranstaltungen mit allen Beteiligten (Kirchenvorstände mit und ohne Kitas, Mitarbeitende, Eltern usw.) einfließen. „Kommt es zum von mir erhofften positiven Votum einer genügenden Anzahl von Kirchengemeinden und Zustimmung der Synode, kann eine gemeindeübergreifende Trägerschaft Anfang 2020 starten“, informierte Vollrath-Kühne die Synodalen.

„Ich verkörpere Gottes Bodenpersonal – wie man scherzhaft sagt“, begann Pfarrerin Beatrice Fontanive ihren Vortrag über die Kur- und Klinikseelsorge. Beatrice Fontanive stellte zusammen mit den Pfarrerinnen Helgard Kündiger und Margit Bonnet die Arbeit der Evangelischen Kirche in Klinik-, Kur- und Hospizeinrichtungen vor. So hilft Pfarrerin Fontanive zum Beispiel körperlich eingeschränkten Patientinnen mit einer ganzheitlichen Ansprache von Körper und Seele durch eine Tanztherapie. Pfarrerin Bonnet beschäftigte sich in ihrem Vortrag mit der Frage, welche Rolle Kirche in der Krankenhausorganisation spiele. „Wir beobachten, dass sich Menschen im Krankenhausbetrieb oft unsicher fühlen“, erläuterte Bonnet. Hier helfe man durch Gespräche, Zuhören, Beten oder durch ein Eingehen auf die Lebensgeschichte der Menschen. „In einer Klinik dreht sich naturgemäß alles vorrangig um die Krankheiten der Patientinnen und Patienten und deren Genesung“, so Bonnet weiter. Da könne der einzelne Mensch – auch durch knapper werdende Pflegeressourcen – nicht immer die für ihn individuell nötige Zuwendung erfahren. Dies versuche Klinikseelsorge durch „Gespräche zwischen Alltagsgespräch und Verkündigung“ auszugleichen.
„Wir können dem Leben nicht mehr Tage geben, aber den Tagen mehr Leben“, zitierte Pfarrerin Helgard Kündiger einen der zentralen Leitsätze der Hospizbewegung. Dabei sei es stets wichtig, dass der sterbende Mensch der Regisseur seines Lebens bleibt. „Als Begleitende haben wir zuerst dafür zu sorgen, dass diese Selbstbestimmung erhalten bleibt und gefördert wird. Wer erlebt hat, wie fremdbestimmt Menschen in Krankenhäusern leben und sterben müssen, der weiß, welche Brisanz, ja sanfte Revolte, bis heute in diesen Sätzen steckt“, sagte Kündiger. In Hessen wäre die Hospizbewegung seit 1990 auf - wie überall - große Widerstände gestoßen. Heute sähe die Situation anders aus, so Pfarrerin Kündiger: „Heute, knapp 30 Jahre später haben wir im Hochtaunuskreis ein flächendeckendes und gut funktionierendes Netz von fünf ambulanten Hospizdiensten; wir haben zwei stationäre Hospize und seit drei Jahren eine Palliativstation an den Hochtaunuskliniken.“
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